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Zahnersatz

Licht und Schatten bei Billigangeboten

21.07.2011
Von Anja Lang
Bei kostenintensiven Zahnbehandlungen wählen immer mehr Menschen günstige Angebote, vor allem aus dem osteuropäischen Ausland. Wie aber steht es um Niveau und Qualität der dort angebotenen Leistungen?
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Seit die Kassen beim Zahnersatz nur noch Festzuschüsse bezahlen und die freie Arztwahl sich auf das Gebiet der gesamten europäischen Union ausgeweitet hat, zieht es immer mehr Menschen ins Ausland, wenn es darum geht kostenintensive Zahnbehandlungen durchführen zu lassen. Denn vor allem Praxen aus dem neu hinzu gekommenen osteuropäischen Raum locken mit verführerisch günstigen Angeboten. Aufgrund der geringeren Löhne, billigeren Raummieten und schmaleren Laborkosten können sie deutlich knapper kalkulieren, als Zahnärzte hierzulande. Aber wie sieht es mit dem Niveau der angebotenen Leistungen aus? Wird vergleichbare Qualität geboten oder zahlt der Patient am Ende gar noch drauf?


Das ist Thema einer Studie, die der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) Rheinland-Pfalz unter Leitung von Dr. Christiane Baulig für die Jahre 2006 und 2007 durchgeführt hat und die in der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift (DZZ) veröffentlicht wurde.

Etwas mehr als die Hälfte mängelfrei

Immerhin 55 Prozent, also etwas mehr als die Hälfte, der untersuchten Zahnersatzversorgungen aus dem Ausland entsprach deutschem Standard und war mängelfrei. Das betraf vor allem die technisch weniger aufwändigen Varianten. Bei einem Drittel der Prothesen wurden Probleme festgestellt. Bei zwei Dritteln davon so gravierende, dass eine Neuanfertigung empfohlen wurde. Gründe hierfür waren unter anderem abstehende Kronenränder, fehlender oder fehlerhafter Gegenbiss, schlechte technische Ausführung sowie nicht erhaltungswürdige oder parodontal stark vorgeschädigte Pfeilerzähne. Überhaupt empfanden die Wissenschaftler, dass notwendige Wurzelkanalbehandlungen und Parodontaltherapien im Ausland eine eher untergeordnete Rolle spielen. In der Tendenz wird trotzdem eher festsitzender Zahnersatz eingesetzt, anstatt der Kombination aus festsitzend-herausnehmbaren oder einer komplett herausnehmbaren Prothese. Und das, selbst wenn der Gebisszustand des Patienten einen festsitzenden Zahnersatz auf Dauer eigentlich nicht mehr zulässt. Eine Konformitätserklärung mit Informationen über die verwendeten Materialien und deren chemische Zusammensetzung sowie den Herkunftsort des Zahnersatzes, wie sie für deutschen Zahnersatz üblich ist, lag in keinem der begutachteten Fälle vor.


Kosten und mögliches Einsparpotential

Wer seine Zähne im Ausland statt in der Heimat sanieren lassen möchte, kann dabei grundsätzlich Geld sparen. Vorausgesetzt die ausländische Alternative ist mängelfrei und richtlinienkonform. So ermittelten die Wissenschaftler um Dr. Christine Baulig für die ausländische Versorgung gegenüber der deutschen eine durchschnittliche Kostenersparnis von 802 Euro. Die Kosten für Anreise, Verpflegung und Unterbringung sind dabei allerdings noch nicht berücksichtigt. 

Fazit

Die Behandlung im Ausland lohnt sich vor allem für Versicherte, die einen herausnehmbaren Zahnersatz wünschen, der technisch weniger aufwändig ist. Das sind zum Beispiel herausnehmbare Vollprothesen oder klammerverankerte Modellgussprothesen. Diese Modelle waren überwiegend mängelfrei und richtlinienkonform und kosteten im Ausland deutlich weniger, als in Deutschland. Aufwändigere Arbeiten waren zwar auch kostengünstiger, schnitten teilweise aber qualitativ weniger gut ab. Werden dann Nachbesserungen oder Neuanfertigungen nötig, muss der Patient eventuell erneut Zeit und Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung investieren. Denn, handelt es sich nicht um einen akuten Notfall, können deutsche Zahnärzte eine Nachbesserung von Mängeln an ausländischem Zahnersatz ablehnen. Auch sind die Gesetzlichen Krankenkassen per se nicht dazu verpflichtet Mängelkorrekturen zu bezahlen. Im Ernstfall trägt der Patient somit das Risiko bei der Zahnversorgung im Ausland selbst. Nutzen und Aufwand für eine Versorgung im Ausland sollte man deshalb gründlich abwägen. Dazu rät auch die Bundeszahnärztekammer (BZAEK). Auf ihren Seiten gibt sie viele Tipps und Informationen, worauf man bei einer geplanten Zahnversorgung im Ausland achten sollte. Wem das nicht ausreicht, der kann sich an eine der Patientenberatungsstellen wenden. Welche Stelle zuständig ist, findet man im Netz oder unter der kostenlosen Patientenhotline 0800 / 82 33 383. 

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