
Der halb leere Wagen soll dazu animieren, ihn stärker zu füllen. Auf dem Weg zur Milch muss man an fast allen Regalen vorbei und nimmt dort vielleicht etwas mit. Und die Gänge sind deshalb so eng, damit man ausgebremst wird, den Inhalt der Regale rechts und links wahrnimmt und dann doch hineingreift.
Die Rechnung geht offenbar auf: Laut der Verbraucherzentrale Hamburg kaufen Verbraucher in zwei Dritteln aller Fälle spontan ein. Allerdings ärgern sich immer mehr Kunden über Werbetricks in den Supermärkten und das Gefühl, den ausgeklügelten Strategien ausgeliefert zu sein. Bewusst einkaufen ist gefragt: "Der schlimmste Verbraucher für den Supermarkt ist der, der strikt seinen Einkaufszettel abarbeitet und sonst nichts mitnimmt", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Geschäfte aber wollen genau dies verhindern – mit relativ simplen Mechanismen, aber auch schwer zu durchschauenden Praktiken.
Bilder: Bilder von glücklichen Tieren auf grüner Wiese täuschen eine heile Bauernhofwelt vor, von der die Realität meist meilenweit entfernt ist. Valet: "Wenn dem Verbraucher durch die Gestaltung der Verpackung ländliche Idylle vorgegaukelt wird, sollte er sich fragen: Stimmt das überhaupt, was da gezeigt wird?" Bei Eiern beispielsweise garantieren nur die Ziffern 0 oder 1 (Bio bzw. Freilandhaltung) an erster Stelle des Stempels, dass sie von Hühnern stammen, die sich im Freien bewegen und artgerecht leben konnten. 2 steht für Bodenhaltung, 3 für Käfighaltung.
Irreführende Angaben: Immer häufiger steht "fettfrei" auf Fruchtgummitüten. Doch nicht nur Fett macht dick, sondern auch Zucker, und davon enthalten die Gummis mehr als genug. Eine 200-Gramm-Standardpackung bringt es so auf gut 600 Kalorien, eine normale Tafel Schokolade hat rund 530 – trotz Fett. Ebenfalls beliebt: Hinweise auf "kontrollierte Qualität". Verbraucherschützer Valet: "Die Angabe ,kontrollierte Qualität’ sagt gar nichts aus. Alle Lebensmittel sind einer Kontrolle unterworfen."
Mogelpackungen: Größere Packungen sind pro Einheit häufig teurer als kleine, vor allem bei Süßigkeiten. Da hilft nur der Blick auf die Grundpreis-Angabe, die auf Preisschildern oder am Regal stehen muss. Geschummelt wird auch bei Obst und Gemüse: So fehlt bei Zitrusfrüchten in Netzen oder Weintrauben in Plastikpäckchen oft der Durchblick – Weinbeeren unten in der Schale können angefault sein, die Orange mitten im Netz schimmelt vielleicht schon. Rat der Verbraucherschützer: genau hinschauen, größere Gebinde auch von der Seite oder von unten betrachten.
Bück- und Streckware: Damit sind jene Produkte gemeint, die nicht bequem in Augen- und Greifhöhe platziert sind, sondern oben oder unten im Regal. "Auf Augenhöhe finden sich in aller Regel die teuersten Produkte", sagt Verbraucherschützer Valet. "Bück- und Streckware sind oft günstiger." Die Tricks, die die Verbraucherschützer kritisieren, sind allerdings in aller Regel vollkommen legal. Gesetzesverstöße spielten nur am Rand eine Rolle, so Valet: "Der Supermarkt darf das alles. Es liegt am Verbraucher, es zu erkennen und sich dagegen zu wehren."
Lesetipp:
Silke Schwartau/Armin Valet, "Vorsicht Supermarkt! Wie wir verführt und betrogen werden", rororo, 10 Euro (ISBN 978-3-499-62315-8)