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Getränke

Mehrweg gegen Einweg

10.02.2012
Von Florian Junker
Viele Deutsche greifen am liebsten zu Glasflaschen oder wenigstens Pfand-Plastikflaschen, um möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen und die Umwelt nachhaltig zu schonen. Aber ist Mehrweg tatsächlich immer besser als Einweg? Und muss man für sein gutes Gewissen in jedem Fall mehr Geld hinlegen? Geldsparen vergleicht, was sich für Klima und Geldbeutel rechnet.
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Das günstigste Getränk für Haushaltskasse, Gesundheit und Natur kommt in aller Regel aus der Leitung. Denn falls Sie nicht gerade auf einer Insel leben oder in einem alten Haus mit Bleirohren, hat das Trinkwasser aus dem Hahn grundsätzlich in Deutschland eine vergleichbare Qualität wie Mineralwasser in Flaschen. Allerdings wissen echte Aqua-Feinschmecker die Geschmacksunterschiede zu schätzen, die sich aus den unterschiedlichen Konzentrationen von Salzen und Kohlensäure ergeben, und investieren gerne in Flaschenwasser einer Lieblingsquelle.

Bei anderen Getränken wie Bier, Softdrinks oder Saft ist man von vorne herein auf abgefüllte Ware angewiesen. Dabei sind Mehrwegprodukte oft teurer als Einwegverpackungen. Lohnt es sich, für die Umwelt diesen Aufpreis zu zahlen?
Das richtige Mehrweg

Verpackungen, die mehrmals genutzt werden, sind tatsächlich generell eher umweltfreundlich. Allerdings macht nicht etwa die gute alte Pfandflasche aus Glas den besten Schnitt! Bei 1.000 Litern, die in Getränkeverpackungen gefüllt werden, verursacht sie zwar nur 71 Kilogramm klimaschädlichen Kohlendioxidausstoß – im Vergleich liegt die Einwegplastikflasche bei satten 122 Kilogramm. Noch besser schneidet in der Klimabilanz allerdings die Plastikmehrwegflasche mit nur 61 Kilogramm CO2 ab. Der Grund: Plastikflaschen sind deutlich leichter als Glas und verbrauchen beim Transport weniger Sprit.
 
Wer auf Mehrweg- statt auf Einweg-Plastik setzt, kann also leicht 50 Prozent CO2 einsparen – ohne auf prickelnde Durstlöscher zu verzichten. Allerdings sind wiederverwendbare Plastikflaschen gar nicht so leicht von ihren Einweg-Kollegen zu unterscheiden. Denn auch unter den Pfandflaschen in Kästen – etwa beim Mineralwasser - finden sich mittlerweile meist Einwegangebote. Augen auf beim Getränkekauf: Aufmerksam sollte man werden, wenn die Flaschen aus sehr dünnem Material sind. Mehrwegflaschen sind im Vergleich dicker und lassen sich nicht so leicht verbiegen. Einweg-Pfandflaschen haben außerdem einen höheren Pfand, 25 Cent statt 15 Cent die Flasche. Leider sind sie auch im Kasten nicht unbedingt umweltfreundlicher als die günstigen Discountergetränke im plastikverschweißtem Sixpack.

Aber auch Mehrweglösungen sind nicht per se „grün“ sondern nur, wenn die Transportwege möglichst kurz gehalten werden. Zum Beispiel wenn der Mehrweg-Bierkasten einer in der Nähe gelegenen Brauerei oder Milch in Flaschen aus der Region gekauft wird. Laut Nabu (Naturschutzbund Deutschland) werden Mehrwegverpackungen unter dem Strich ab einer Entfernung von etwa 750 Kilometern sogar unökologischer als Einwegverpackungen. Kurz gesagt: Als Bayer sollten Sie besser kein friesisches Bier aus Mehrwegflaschen trinken, denn hier wäre manche Einweglösung sinnvoller.
 
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Leserkommentare

Kommentare können sich auf eine ältere Version des Artikels beziehen.
19.05.2010 16:03 Uhr
Redaktion: Halb so wild
Über Geschmack lässt sich natürlich trefflich streiten und am Ende muss das jeder mit seinem Gaumen selbst entscheiden. Sie haben außerdem Recht, dass es Studien gibt, die hormonähnliche Stoffe im Zusammenhang mit verschiedenen Verpackungen nachweisen. Die Kunstoffflasche steht hier generell unter Verdacht, aber auch etwa die Beschichtungen von Schraubdeckeln bei Glasflaschen. Speziell die von Ihnen zitierte Studie ist dazu sehr unterschiedlich interpretiert worden:
http://www.bfr.bund.de/cm/208/bfr_bewertet_untersuchungsergebnisse_zu_mineralwasserproben_mit_horm onaehnlicher_wirkung.pdf
Wir können nicht mit letzter Sicherheit beurteilen ob die ganze Problematik gesundheitlich auf gar keinen Fall relevant ist, aber genau für solche Fragen gibt es das staatliche Bundesinstitut für Risikobewertung und das sieht hier nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft keine Gefahr.
05.05.2010 10:38 Uhr
Kurt34: Doch Gefahr bei PET-Flaschen!
Die hormonelle Belastung in Mineralwasser aus Plastikflaschen (PET) ist nach einer Studie der Universität Frankfurt etwa doppelt so hoch wie bei Wasser aus Glasflaschen. Einen möglichen Grund sehen Wissenschaftler im sogenannten Auslaugen von Weichmachern." Das schreibt die FAZ im März 2009. In der Studie heißt es: "Wir haben Mineralwasser aus Glas- und Plastikflaschen verglichen und konnten zeigen, dass die östrogene Belastung in Wasser aus PET-Flaschen etwa doppelt so hoch ist wie in Wasser aus Glasflaschen".
http://www.faz.net/s/Rub8E1390D3396F422B869A49268EE3F15C/Doc~E829E5FFC6FA64E738 7DA4941B4E015CF~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Und außerdem schmeckt Wasser aus Kunststofflaschen scheußlich.
05.05.2010 10:25 Uhr
Redaktion: Keine Gefahr bei PET-Flaschen
Vielen Dank für Ihren Hinweis. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung gibt es keinen Grund von einer Gesundheitsgefahr von PET-Flaschen auszugehen. Die in der zitierten Studie gefunden Verunreinigungen mit hormonähnlichen Substanzen sind laut den Experten wohl eher abhängig von der Wassermarke als von der Art der Flasche.
05.05.2010 07:03 Uhr
felixbernie: Mehrweg gegen Einweg
Ökobilanz ist leider nur eine Seite des Problems. Weshalb lässt der Autor die gesundheitlichen Risiken der Plastikflschen aber total unter den Tisch fallen?
Z.B. http://www.taz.de/1/zukunft/konsum/artikel/1/plastikflaschen-machen-weiblich/
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