Luxussprit
Nur teuer oder auch sinnvoll?
10.11.2010
Von Anja Lang
Sie heißen Total Excellium, V-Power oder Ultimate und sollen mehr drauf haben als gewöhnliches Benzin. Premiumkraftstoffe gelten als Luxusnahrung für den Motor und das hat natürlich seinen Preis. Was Edelbenzin und –diesel von gewöhnlichem Sprit unterscheidet und für wen sich das teure Tanken lohnt.
Seit rund sieben Jahren gibt es an Deutschlands großen Tankstellen neben den gebräuchlichen Kraftstoffsorten Normal, Super, Diesel und Super Plus auch sogenannte Premiumkraftstoffe. Sie sollen die Leistung erhöhen, Ventile reinigen, Sprit sparen und auch noch die Umwelt schonen. Dafür kosten sie aber auch bis zu zehn Prozent mehr als vergleichbarer gewöhnlicher Sprit. Folgende Punkte sollen den gewissen Unterschied ausmachen:
Höhere Oktanzahl im Edelsprit
Die Oktanzahl an der Zapfsäule gibt an, wie klopffest das Benzin ist. Im Kolben des Motors wird das Benzin verdichtet und dann über die Zündkerze entzündet. Entzündet sich das Benzin zu früh – also zu einem Zeitpunkt, zu dem es noch nicht ausreichend verdichtet ist – kommt es zu unkontrollierten Verbrennungen und der Motor beginnt zu klopfen. Das kann auf Dauer zu Verschleißschäden am Motor führen. Deshalb sollte man möglichst immer das Benzin tanken für das der Motor ausgelegt ist und keines mit niedrigerer Oktanzahl. Motoren für Normalbenzin benötigen eine Oktanzahl von mindestens 91, Motoren für Super bleifrei eine Oktanzahl von mindestens 95. Wer Super Plus auf dem Tankdeckel stehen hat, dessen Motor benötigt 98 Oktan. Premiumkraftstoffe haben 100 Oktan, Aral Ultimate 102 sogar 102 Oktan. Laut Werbung soll die besonders hohe Klopffestigkeit für eine besonders effektive Verbrennung und eine höhere Leistung des Motors sorgen.
Mehr Oktan bringt kaum mehr Leistung
Normale Motoren können diese hohe Oktanzahl aber gar nicht ausnutzen, sagt der ADAC, der bereits umfangreiche Tests zur Effektivität von Edelkraftstoffen durchgeführt hat. Die meisten Motoren sind auf höchsten 98 Oktan ausgelegt. Was darüber hinaus angeboten wird, verpufft in der Regel nutzlos. Lediglich bei zwei Modellen, einem VW Golf und einem Porsche Boxter konnte der Automobilclub mit V-Power 100 eine geringfügige Leistungssteigerung feststellen – doch die lag deutlich unter zwei Prozent und damit innerhalb der Messtoleranz.
Additive für Motorreinigung und Drehmoment
Spezielle Additive im Premiumbenzin sollen mögliche Ablagerungen auf Ventilen und Einspritzdüsen entfernen. Bei normaler Fahrweise lagert sich da aber selten was an. Verbrennungsrückstände treten eigentlich nur auf, wenn dauerhaft Kurzstrecken gefahren werden und der Motor nie richtig auf Betriebstemperatur kommt. Hier helfen spezielle Zusätze aus der Dose, die man direkt in den Tank schüttet. Wird ein Auto viel Langstrecke gefahren, dürfen die Zusätze aber bei weitem nicht so hoch konzentriert sein. Der Motor würde sonst Schaden nehmen.
Da Premiumbenzin aber für alle Fahrzeuge und alle Fahrweisen ausgelegt sein muss, darf der Anteil an Additiven nur so hoch sein, dass er auf keinen Fall Schaden anrichten kann. Nach Ansicht von Experten ist das aber zu wenig, um vorhandene Ablagerungen effektiv entfernen zu können. Auch, was das angeblich höhere Drehmoment anbelangt, enttäuschte der teure Saft im Test. So urteilte der ADAC: „Alle Prüflinge lagen – teilweise sogar mit schlechteren Fahrleistungen – im nicht statistisch verwertbaren Toleranzbereich“.
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