Frostschutz
Wischwasser-Wucher
25.01.2012
Von Florian Junker
80 Prozent weniger bezahlen ohne auf Qualität oder Funktion zu verzichten – so viel Spar-Potential ist bei den wenigsten Produkten drin. Coole Ausnahme sind Frostschutzmittel für die Scheibenwischanlage im Auto. Denn die werden oft zu völlig übertriebenen Preisen angeboten. Geldsparen erklärt, wie Sie Schnäppchen erkennen und vorausschauend mischen.
Autofahrer haben im Winter laut Gesetz für einen guten Durchblick zu sorgen. Dazu gehört natürlich auch ein ausreichender Frostschutz für die Scheibenwischwasseranlage. Denn nur mit funktionierenden Sprühdüsen lässt sich durchs automatische Scheibenwischen während der Fahrt der schmierige Film aus Schnee(regen), Salz und Straßendreck von der Windschutzscheibe entfernen.
Keine einfache Ausgangslage für Schnäppchenjäger! Denn je nachdem, wo man das Frostschutzmittel kauft und wie stark dieses konzentriert ist, variieren die Angebote enorm – und reichen von unschlagbar günstig bis unverschämt teuer. So sorgen Sie für einen klaren Durchblick, ohne das Nachsehen zu haben:
Das Qualitäts-Kriterium
Ob das an Tankstelle oder im Baumarkt angebotene Frostschutzwässerchen nun grün, blau oder violett ist, nach Apfel duften soll oder eine besonders wirksame Reinigung verspricht: Für den Käufer ist nur ein Unterscheidungskriterium wirklich von Bedeutung - die Zusammensetzung. Achten Sie beim Kauf dafür auf die Packungs-Angabe „Frostschutz bis xy Grad“. Diese lässt Rückschlüsse auf die Alkoholkonzentration in der Flüssigkeit zu und rechtfertigt grundsätzlich einmal verschieden hohe Preise. Sprich: Je tiefer die Temperatur, bei der der Frostschutz noch wirkt, desto mehr ist das Produkt wert.
Die Angebotspalette
Laut Tests müssen Autoliebhaber allerdings nicht zwangsläufig zu kostspieligen Markenprodukten greifen, die am besten auch noch bei minus 50 Grad wirken. Ein Frostschutz bis Minus 20 Grad ist für das klassische „Garagenauto“ in den meisten Regionen Deutschlands absolut ausreichend, haben Versuche gezeigt. Ein weiteres Plus: Der Wasseranteil darin ist in der Regel höher als in stärker konzentrierten Mitteln. Dieses Mischverhältnis spricht meist sogar eher für eine bessere Reinigungskraft.
Wer zum Skirurlaub in die Berge fährt oder sein Auto auch im Winter bei Wind und Wetter draußen stehen lassen muss, kommt nicht drum herum, in der kalten Jahreszeit besser etwas Hochprozentigeres nachzuschütten. Das muss aber noch nicht mal unbedingt vom teuren Markenanbieter sein. Laut Tests unterscheiden sich zwar Topprodukte und Discounterware etwas in der Reinigungswirkung. Im Vergleich lohnt es sich aber oft dennoch, lieber mit dem billigeren Produkt etwas öfter zu sprühen. In der Regel sind außerdem selbst Angebote der Billigheimer Aldi, Lidl und Co. für Fächerdüsen und Kunstoffscheinwerfer geeignet. Markenprodukte zu Parfumpreisen von der Tankstelle können auch nicht mehr als wischen.
Die Kopfrechenaufgabe
Welches Angebot nun das günstigste ist? Das ist selbst für erprobte Schnäppchenjäger gar nicht so einfach herauszufinden. Schuld sind die verschiedene Packungsgrößen und unterschiedliche Mischverhältnisse, die den Vergleich auf den ersten Blick erschweren. Da findet sich zum Beispiel im Baumarkt ein 5-Liter Kanister Konzentrat für 4,99 Euro, das bis Minus 60 Grad flüssig bleiben soll. An der Tankstelle steht dafür ein gebrauchsfertiges Gemisch in der praktischen 1,5 Liter Flasche im Regal, das für 3,80 Euro Schutz bis 20 Grad unter Null verspricht. Wer bei solchen Unterschieden wirklich Preise vergleichen will, kommt um eine Runde Kopfrechen nicht rum.
Allerdings ist die Aufgabe in der Regel durchaus machbar, denn zunächst braucht man nur den Preis pro Liter und der ist in vielen Geschäften sogar auf dem Preisschild angegeben. Also für das obige Beispiel wären das rund ein Euro für das Konzentrat und etwas über 2,50 Euro im Tankstellenshop. Ein Preisaufschlag von satten 150 Prozent und der ist eigentlich sogar noch viel gewaltiger. Da hierzulande das Thermometer nur in den wenigsten Regionen unter 20 Grad fällt, reicht es vielerorts noch, das Konzentrat mit der gleichen Menge Wasser zu strecken. Ein Liter „Deutsches-Durchschnitts-Wischwasser“ kommt danach dann auf nur noch 50 Cent. An der Tanke ist der Frostschutz also unter dem Strich sogar rund fünf mal so teuer.
Die Tipps
Im Internet und am Stammtisch erfährt man manchmal auch das eine oder andere Rezept zum Selbermischen von Wischwasserfrostschutz. Die allermeisten Cocktails sind allerdings weder billiger als ein Angebot vom Discounter noch besser. Denn der oft empfohlene Spiritus kann sich schon bei minus 14 Grad in ein zähflüssiges Gelee verwandeln. Selbst der billigste Wodka ist unter dem Strich außerdem nicht günstiger zu kriegen als die Fertigmischungen. Mit 40 Prozent Alkohol friert außerdem Schnaps pur schon ab minus 23 Grad und reicht verdünnt sicher nicht aus, um mit einem guten Durchblick durch den Winter zu kommen.
Wer wirklich sparen möchte, hält nach Angeboten Ausschau, bei denen der Literpreis für Frostschutz bis 20 Grad unter einem Euro liegt und deponiert davon eine große Sprühflasche (zum Beispiel von einem aufgebrauchten Putzmittel) mit fertig gemischter Lösung im Auto. Das hat gleich zwei Vorteile: Erstens haben Sie immer etwas zum Auffüllen dabei, wenn es nur noch aus den Scheibenwischwasser-Düsen tröpfelt. Dann müssen Sie nicht das meist unverschämt teure Angebot der nächsten Tankstelle kaufen. Und zweitens eignet sich das Spray auch noch hervorragend, um vereiste Scheiben einfacher frei zu bekommen. Dafür ordentlich aufsprühen, einen kurzen Moment warten und erst dann kratzen. So behalten Sie in diesem Winter den perfekten Durchblick.